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Förderprogramm für „Gewerbe zu Wohnen“: Impulse für den Wohnungsmarkt?

Förderprogramm für „Gewerbe zu Wohnen“: Impulse für den Wohnungsmarkt?

Angesichts der vielerorts angespannten Angebotssituation auf dem Wohnungsmarkt gewinnt die Umnutzung von Büroflächen zu Wohnraum in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Mit dem von Bundesbauministerin Verena Hubertz initiierten Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ soll nun von politischer Seite eine stärkere Unterstützung erfolgen, wie unter anderem DIE ZEIT und das HANDELSBLATT in der vergangenen Woche berichteten. Die neue Förderung setzt ein positives Signal für den angespannten Wohnungsmarkt. „Mit unserem neuen Förderprogramm ‚Gewerbe zu Wohnen‘ geben wir ungenutzten Büro- und Gewerbeimmobilien eine zweite Chance“, lässt sich Verena Hubertz zur Einführung des Förderprogramms zitieren.

Die Förderung knüpft an strukturelle Veränderungen des Büromarktes an. Durch Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle sinkt in vielen Städten die Nachfrage nach klassischen Büroflächen, während gleichzeitig der Bedarf an Wohnraum hoch bleibt. Mit dem Programm „Gewerbe zu Wohnen“ will die Bundesregierung Investitionen in die Umnutzung dieser Flächen wirtschaftlich attraktiver machen. Allein für 2026 steht ein Fördertopf in Höhe von 300 Millionen Euro zur Verfügung. Neben finanziellen Zuschüssen von bis zu 30.000 Euro je neu geschaffener Wohnung umfasst das Programm auch Erleichterungen bei Genehmigungsverfahren sowie eine stärkere Verzahnung mit bestehenden Programmen der Städtebauförderung.

Die Bedeutung der Maßnahme wird mit Blick auf die strukturellen Potenziale im Bestand besonders deutlich: Ende 2025 standen laut JLL in den sieben größten Städten Deutschlands insgesamt rund 8,1 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer, während gleichzeitig in Ballungsräumen wie Berlin ein akuter Wohnungsmangel herrscht. Auch wenn Berlin selbst mit 8,2 Prozent nur eine vergleichsweise geringe Büroleerstandsquote aufweist, zeigt sich hier das Spannungsfeld zwischen knappen Wohnungsangeboten und ungenutzten Flächen in anderen Segmenten – etwa bei Büroimmobilien.

Eine genaue Zahl, wie viele Wohnungen durch Umnutzungen konkret entstehen könnten, liefert das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hingegen nicht. Berechnungen von JLL kalkulieren rund 11.000 Wohnungen, das ifo-Institut geht von 60.000 Wohnungen aus. Das Potenzial ist im Hinblick auf den enormen Mangel überschaubar. Dennoch bleibt gerade vor dem Hintergrund der zuletzt stark gestiegenen Mieten und des extrem niedrigen Wohnungsleerstands jede zusätzliche Angebotsausweitung ein wichtiger Baustein zur Entlastung des Marktes.

Langfristig könnte die Förderung somit einen strukturellen Beitrag zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes leisten, denn sie verbindet gleich mehrere Ziele: die effektivere Nutzung vorhandener Flächen, die Belebung innerstädtischer Lagen und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum.

„Die gezielte Förderung der Umnutzung von Büroflächen zu Wohnungen ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um zusätzliche Wohnraumkapazitäten zu schaffen“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The Grounds. „Gerade in Berlin sehen wir großes Potenzial im Bestand. Dennoch löst die Subventionierung von Einzelmaßnahmen unser Grundproblem nicht, und das ist die Überregulierung des Wohnungsmarktes. Hier gilt es, Bürokratie und Regulatorik abzubauen, um wieder mehr privatwirtschaftliche Investitionen in den Wohnungsbau zu aktivieren.“