In der „Berliner Zeitung“ vom 2. Februar 2026 berichtet Yoko Rödel ausführlich über eine Online-Pressekonferenz mit Vertretern von Immobilien- und Bauunternehmen sowie Baurechtsexperten zum sogenannten „Bauturbo“. Darin heißt es, trotz Baubeschleunigungsgesetz herrsche auf Berlins Baustellen weiter Flaute, und Experten warnten vor einem massiven Einbruch im Wohnungsbau. Fast ein Jahr nach der Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Amtsantritt, er werte beim Wohnungsbau Tempo machen, verharre die Bauwirtschaft weiter im Krisenmodus. Einzelne Regionen verzeichneten zwar ein verhaltenes Wachstum, doch im Durchschnitt stagniere die Bautätigkeit auf weiterhin niedrigem Niveau. Ähnlich sei die Lage in Berlin, wo vor allem der Wohnungsbau nicht in Schwung komme, obwohl es in der Hauptstadt schätzungsweise an 150.000 bezahlbaren Wohnungen fehle. Inzwischen sei die Lage so prekär, dass Branchenvertreter befürchteten, der Wohnungsbau könne bald vollständig zum Erliegen kommen und die Mieten auf Quadratmeterpreise von mehr als 40 Euro steigen lassen.
Eigentlich habe alles ganz anders kommen sollen, da mit dem im Oktober 2025 verabschiedeten Baubeschleunigungsgesetz innerhalb kürzester Zeit mehrere tausend neue Wohnungen geschaffen werden sollten. Doch nichts dergleichen sei geschehen, stattdessen habe sich die Bauministerin einen Fauxpas nach dem anderen geleistet und zuerst ihre eigene Politik auf Tiktok gelobt und anschließend die Vermieter für die Mietenkrise verantwortlich gemacht. Seit dem Beginn ihres Mutterschutzes Ende 2025 herrsche Funkstille. Eine Vertretung sei nicht vorgesehen und das Ministerium praktisch führungslos. Drei Monate nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zögen Experten eine ernüchternde Bilanz, der Bauturbo zünde nicht.
Der Berliner Baurechtler Jakob Hans Hien von Knauthe Rechtsanwälte habe zu bedenken gegeben, dass der Begriff Bauturbo etwas suggeriere, was das Gesetz gar nicht leisten könne. Eigentlich müsse man von einem Genehmigungsturbo sprechen, weil dadurch nicht schneller, sondern früher gebaut werde. Das Problem liege darin, dass die Ämter den Bauturbo anwenden können, aber nicht müssen, was der eigentliche Flaschenhals und die größte Unsicherheit für Projektentwickler sei. Dieter Becken von der Becken Holding sehe den Grund für die anhaltend niedrige Bautätigkeit nicht nur in schleppenden Verfahren, sondern vor allem in prekären Projektbedingungen mit denen Entwickler konfrontiert seien. Dazu gehörten teure Grundstücke, hohe Baukosten und Zinsen gepaart mit wachsenden technischen und energetischen Anforderungen an Gebäude. Inzwischen sei der Kostendruck so groß, dass sich Wohnungsbauprojekte in Deutschland kaum noch rentierten.
„Hier sollte die Politik dringend sinnvolle Lösungsansätze durch zielgerichtete Förder- und Entlastungsmaßnahmen entwickeln“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The
Grounds. „Ums unbegreiflicher ist es, dass sich gerade in Berlin Grüne, Linke und mittlerweile auch die SPD mit Vorschlägen für weitere Restriktionen für den Wohnungsmarkt zu überbieten versuchen und damit weitere bauwillige Investoren abschrecken, statt sich auf den einzig sinnvollen Ausweg aus der angespannten Situation zu fokussieren: eine spürbare Förderung des Neubaus.“