Die Berliner Wirtschaft zeigt trotz des weiterhin herausfordernden konjunkturellen Umfelds deutliche Wachstumssignale. Die Investitionsbank Berlin (IBB) rechnet für 2026 mit einem Anstieg des Berliner Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent. Gleichzeitig entwickelten sich die Exporte im ersten Halbjahr ausgesprochen dynamisch: Sie legten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,6 Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zu. Auch aus der Bauwirtschaft kommen positive Signale. Wie die „Berliner Wirtschaft“ in der vergangenen Woche unter Berufung auf den aktuellen „Berlin Trend“ der IBB berichtete, stiegen die Auftragseingänge im Berliner Bauhauptgewerbe im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent. Besonders kräftig fiel der Zuwachs mit 55 Prozent im Wohnungsbau aus.
Eine wichtige Stütze der Berliner Konjunktur bleibt der Dienstleistungssektor. Die Umsätze der unternehmensnahen Dienstleistungen lagen von Januar bis Mai 2026 um 2,3 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Damit setzt sich die grundsätzlich positive Entwicklung in einem Wirtschaftsbereich fort, der für Berlin aufgrund seiner stark dienstleistungsorientierten Wirtschaftsstruktur von besonderer Bedeutung ist. Zugleich hat sich die Lage in der Industrie aufgehellt. Die Industrieumsätze stiegen im ersten Halbjahr um 9,0 Prozent, während die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe um 10,7 Prozent zulegten. Bei den Bestellungen aus dem Ausland betrug der Zuwachs sogar 15,0 Prozent.
Diese Entwicklung spiegelt sich inzwischen deutlich im Berliner Außenhandel wider. Nach vorläufigen Berechnungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg exportierten Berliner Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 9,8 Milliarden Euro und damit 8,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit den EU-Mitgliedstaaten, in die Waren im Wert von 5,2 Milliarden Euro geliefert wurden – ein Plus von 12,1 Prozent. Die Ausfuhren nach Frankreich erhöhten sich sogar um 44,8 Prozent auf 976 Millionen Euro. Auch das Geschäft mit den USA entwickelte sich mit einem Exportplus von 14,2 Prozent auf 838 Millionen Euro deutlich positiv.
Zu den Wachstumstreibern gehören dabei Branchen, die für die moderne und technologieorientierte Wirtschaftsstruktur Berlins eine besondere Rolle spielen. Die Ausfuhren von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen Erzeugnissen erhöhten sich um 26,0 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, die Pharmaexporte um 18,7 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Maschinen blieben mit einem Exportvolumen von 1,4 Milliarden Euro zwar die wertmäßig größte Warengruppe, verzeichneten allerdings einen Rückgang um 7,8 Prozent. Insgesamt unterstreichen die Zahlen damit die vergleichsweise breite internationale Aufstellung der Berliner Wirtschaft.
Für die Immobilienwirtschaft ist vor allem die Entwicklung im Bauhauptgewerbe von Interesse. Die Auftragseingänge lagen dort im ersten Halbjahr insgesamt 41 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Wohnungsbau entwickelte sich mit einem Plus von 55 Prozent noch dynamischer, während im Wirtschaftsbau 38,4 Prozent und im öffentlichen Bau 40,3 Prozent mehr Aufträge eingingen. Allerdings haben sich die höheren Auftragseingänge noch nicht in entsprechenden Umsatzzuwächsen niedergeschlagen: Die Umsätze des Bauhauptgewerbes lagen im ersten Halbjahr noch 9,6 Prozent unter dem Vorjahreswert, im Wohnungsbau betrug der Rückgang 7,9 Prozent. Die Auftragsentwicklung deutet jedoch darauf hin, dass sich die Aktivität in den kommenden Monaten verstärken könnte.
„Die aktuellen Wirtschaftsdaten sind ein positives Signal für Berlin und damit auch für den Berliner Immobilienmarkt. Eine wachsende Wirtschaft, steigende Exporte und insbesondere die deutlich höheren Auftragseingänge im Wohnungsbau zeigen, dass am Standort wieder mehr Dynamik entsteht“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The Grounds. „Entscheidend wird nun sein, diese Entwicklung durch verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren zu unterstützen. Berlin bleibt ein attraktiver Wirtschafts- und Wohnstandort mit langfristig guten Perspektiven. Eine positive wirtschaftliche Entwicklung schafft dafür eine wichtige Grundlage.“