Selbstgenutztes Wohneigentum bietet nicht nur individuelle Vorteile, sondern kann auch einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten: Es erhöht die Wohnsicherheit, unterstützt den langfristigen Vermögensaufbau und verbessert insbesondere im Alter die finanzielle Absicherung. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Soziale Aspekte des Wohneigentums“, die das Pestel Institut mit Förderung der Schwäbisch-Hall-Stiftung „bauen-wohnen-leben“ erstellt hat. Die Ergebnisse fanden in den vergangenen Tagen ein breites Medienecho. So berichteten unter anderem DIE ZEIT, n-tv und die Tagesschau über die im europäischen Vergleich außergewöhnlich niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland.
Besonders deutlich werden die Vorteile des Wohneigentums laut Studie beim Blick auf die Wohnkosten im Alter. Von den selbstnutzenden Eigentümern mit schuldenfreier Immobilie hatten 2025 rund 85 Prozent eine Wohnkostenbelastung von weniger als 25 Prozent ihres Einkommens. Bei Eigentümern, die noch einen Immobilienkredit bedienen, waren es rund zwei Drittel. Unter den Haushalten, die zur Marktmiete wohnen, erreichten dagegen nur knapp 59 Prozent diese niedrige Belastungsstufe. Zudem lebten 2022 fast 90 Prozent der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren bereits in einer schuldenfreien Immobilie. Die Autoren sehen im Wohneigentum deshalb einen wichtigen Baustein der privaten Altersvorsorge.
Darüber hinaus verweist die Studie auf positive Effekte für die Vermögensverteilung. Wohneigentum ermögliche auch Haushalten mit mittleren Einkommen einen langfristigen Vermögensaufbau und könne damit einer stärkeren Vermögenskonzentration entgegenwirken. Hinzu komme eine hohe Wohnsicherheit und größere Gestaltungsmöglichkeiten sowie positive Effekte für die Stabilität von Quartieren. Selbstnutzende Eigentümer bleiben häufig lange an einem Standort und weisen im Durchschnitt eine höhere Wohnzufriedenheit auf als Mieter.
Umso kritischer bewertet das Pestel Institut die Entwicklung der Wohneigentumsbildung in Deutschland. Nach seinen Berechnungen lebten 2025 nur noch rund 43,5 Prozent der privaten Haushalte im Wohneigentum. Damit befindet sich die Quote auf dem niedrigsten Niveau seit rund zwei Jahrzehnten. Besonders ausgeprägt ist das Problem bei jüngeren Menschen: Fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen wohnen zur Miete. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland ebenfalls zu den Ländern mit den niedrigsten Eigentumsquoten.
Eine wesentliche Ursache sieht die Untersuchung in den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. So seien die Herstellungskosten für Wohnungen seit dem Jahr 2000 um 160 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise lediglich um 64 Prozent zunahmen. Zugleich sei die früher deutlich umfangreichere Wohneigentumsförderung weitgehend zurückgefahren worden. Besonders kritisch bewertet das Institut die Abschaffung des Baukindergeldes im Jahr 2021. Die spätere Evaluation habe gezeigt, dass das Förderprogramm gerade Familien mit Kindern und niedrigen bis mittleren Einkommen erreichte. Die Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass die gegenwärtigen Rahmenbedingungen selbstgenutztes Wohneigentum gegenüber Investitionen in vermietete Immobilien benachteiligen.
Für Berlin ist diese Entwicklung besonders relevant. Die Studie zeigt grundsätzlich, dass die Eigentumsquoten mit zunehmender Verdichtung sinken und Großstädte deshalb besonders niedrige Werte aufweisen. Zugleich hat sich die Wohneigentumsquote seit 2011 in vielen ostdeutschen Regionen erhöht. Gerade für Berlin und das Berliner Umland eröffnet sich damit eine wohnungspolitisch interessante Perspektive: Eine stärkere Eigentumsförderung könnte nicht nur Haushalten den Vermögensaufbau ermöglichen, sondern zugleich Mietwohnungsmärkte entlasten, wenn bisherige Mieter in selbstgenutztes Wohneigentum wechseln. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass ausbleibende Umzüge ins Eigentum die ohnehin angespannten Mietwohnungsmärkte zusätzlich belasten.
„Die Studie macht deutlich, dass eine stärkere Wohneigentumsbildung weit mehr ist als reine Immobilienförderung. Sie ermöglicht Vermögensaufbau, verbessert die Absicherung im Alter und kann gleichzeitig angespannte Mietwohnungsmärkte entlasten. Gerade in Berlin und im Berliner Umland gibt es viele Haushalte, für die der Erwerb einer eigenen Wohnung oder eines Hauses grundsätzlich attraktiv wäre. Die Politik sollte deshalb die Zugangshürden zum Wohneigentum konsequent reduzieren, etwa durch die Verringerung von Erwerbsnebenkosten zum Beispiel durch die Absenkung der Grunderwerbsteuer, verlässliche Förderbedingungen und vor allem durch Rahmenbedingungen, die wieder mehr bezahlbaren Wohnungsbau ermöglichen“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The Grounds.