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IW-Studie sieht neue Chancen für Wohnungsbau und Eigentumsbildung

IW-Studie sieht neue Chancen für Wohnungsbau und Eigentumsbildung

Wie kann der Wohnungsbau in Deutschland wieder gestärkt werden? Mit der aktuellen Studie „Mehr Wohnraum schaffen – Leitplanken für eine neue Förderkulisse“ schlagen die Autoren des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) eine grundlegende Neuordnung der Förderpolitik im Wohnungsbau vor. Wie unter anderem das Handelsblatt berichtete, könnte durch eine klar strukturierte Förderarchitektur sowohl die Bautätigkeit stabilisiert als auch die Eigentumsbildung gestärkt werden.

Die Situation am deutschen Wohnungsmarkt bleibt weiterhin angespannt. Laut Studie liegt die Zahl der Fertigstellungen bundesweit deutlich unter dem langfristigen Bedarf, während die Bautätigkeit weiterhin durch steigende Baukosten, höhere Finanzierungskosten und regulatorische Vorgaben belastet wird. Gleichzeitig bleibe die Wohnungsnachfrage in den wirtschaftsstarken Regionen ungebrochen hoch. Das IW verweist darauf, dass die Bautätigkeit kurzfristig auf lediglich rund 215.000 Wohnungen pro Jahr zurückfallen könnte, obwohl der jährliche Bedarf weiterhin deutlich höher liege.

Für die zukünftige Förderpolitik identifizieren die Autoren vier zentrale Handlungsfelder: die Stabilisierung des Wohnungsmarktes und der Konjunktur, die Förderung von Wohneigentum, Nachhaltigkeit sowie Technologieförderung. Vor allem temporäre Förderprogramme könnten helfen, starke Einbrüche der Bautätigkeit abzufedern und Kapazitätsverluste in der Bauwirtschaft zu vermeiden. Gleichzeitig sprechen sich die Autoren dafür aus, Fördermaßnahmen klar zu strukturieren und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Studie der Eigentumsbildung. Demnach scheitert der Erwerb von Wohneigentum häufig nicht an der monatlichen Finanzierungsbelastung, sondern an den hohen Eigenkapitalanforderungen und Erwerbsnebenkosten. Als Lösung schlagen die Autoren unter anderem staatlich unterstützte Nachrangdarlehen vor, die von Banken als Eigenkapitalersatz anerkannt werden können. Darüber hinaus könnten spezielle Kreditprogramme zur Finanzierung der Grunderwerbsteuer und weiterer Kaufnebenkosten den Zugang zu Wohneigentum erleichtern.

Berlin und das Umland könnten von gezielten Förderprogrammen besonders profitieren. Die Region gehört seit Jahren zu den Gebieten mit der stärksten Nachfrage nach Wohnraum, gleichzeitig bleibt das Angebot aufgrund der schwachen Neubautätigkeit knapp. Die Nachfrage verlagert sich zunehmend auch auf die Gemeinden im Umland, wo sowohl die Kaufpreise als auch die Einstiegshürden häufig niedriger ausfallen. Eine gezielte Förderung der Eigentumsbildung könnte daher nicht nur die Wohneigentumsquote erhöhen, sondern zugleich zusätzliche Impulse für die Entwicklung des Berliner Umlands schaffen.

Erheblichen Handlungsbedarf sieht die Studie auch bei der Innovationsfähigkeit der Bauwirtschaft. Durch digitale Planungen, serielles und modulares Bauen sowie industrielle Vorfertigung könnten Baukosten gesenkt und Projekte schneller umgesetzt werden. Förderprogramme sollten deshalb gezielt Investitionen in innovative Technologien unterstützen. Dennoch bleiben strukturelle Reformen notwendig, z.B. in Form von schnelleren Genehmigungsverfahren, weniger Regulierung und einer besseren Bereitstellung von Bauland.

„Die Studie zeigt sehr klar, dass die Probleme des Wohnungsmarktes nicht allein mit immer neuen Einzelvorschriften gelöst werden können. Entscheidend sind vielmehr verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungsverfahren und eine gezielte Förderung von Wohneigentum“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The Grounds. „Gerade in Berlin und dem Umland sehen wir eine hohe strukturelle Nachfrage nach Wohnraum. Wenn es gelingt, die Eigenkapitalhürden zu senken und gleichzeitig innovative Technologien im Wohnungsbau stärker zu fördern, dürfte dies dem Markt langfristig neue Dynamik verleihen.“