Obwohl in Deutschland rund eine Million Wohnungen fehlen, wurden 2025 laut Statistischem Bundesamt nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, etwa 45.000 weniger als noch im Jahr zuvor Vorjahr und ein Tiefstand seit 2012. Gerade in Städten und Ballungsgebieten lässt der Mangel an Wohnraum die Mietpreise weiter steigen. In Berlin sind Mieten und Wohnungsbau daher die zentralen Themen rund um die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September 2026. Hohe Baukosten, die zuletzt durch den Iran-Krieg und gestiegene Zinsen weiter angezogen haben, sind einer der Hauptgründe, warum in Deutschland zu wenig gebaut wird.
Auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt am Main haben Bundesbauministerin Verena Hubertz und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil Ende Juni einen Aktionsplan vorgestellt, mit dem die Bundesregierung die Baukosten senken und Neubau fördern will, worüber u.a. das Handelsblatt und Die Welt berichteten. Der Aktionsplan zur Senkung der Baukosten aus dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) umfasst insgesamt 13 Punkte und setzt auf drei zentrale Hebel: Digitalisierung zur Beschleunigung von Genehmigungs- und Bauprozessen, Verbesserung der Investitions- und Förderbedingungen sowie Vereinfachung von Baustandards.
Konkret sieht der Aktionsplan vor, dass Bauanträge zukünftig nur noch digital eingereicht werden können. Ab 2028 sollen Papieranträge nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein. Die Neubauförderung soll bereits ab 2027 in einem einzigen modularen Förderprogramm gebündelt werden, welches gezielte Anreize für kosten- und flächeneffizientes Bauen setzen wird. Zentrales Augenmerk liegt darauf, Familien bei der Finanzierung von Wohneigentum zu unterstützen. Zudem sollen Bauleitplanverfahren mit standardisierten Datenmodellen beschleunigt und auf maximal zwei Jahre begrenzt werden. Um die Bauprozesse zu beschleunigen, bringt das BMWSB ein Bonus-System für verkürzte Bauzeiten durch serielles und modulares Bauen ins Spiel. Mit dem Gebäudetyp E soll es außerdem erleichtert werden, rechtssicher von Standards und technischen Normen abzuweichen.
Der Aktionsplan bezeichnet den Wohnungsbau als gesamtstaatliche Aufgabe, die der Bund nicht allein lösen kann, sondern nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Ländern, Kommunen und der Wirtschaft. Um privates Kapital für den Wohnungsbau zu mobilisieren, sieht das BMWSB ein Wohnungsbaumodul für den Deutschlandfonds vor. Damit sollen Anleger angesprochen werden, die nach hoher Sicherheit zu moderaten Renditen suchen. In einer Pressemitteilung zur Vorstellung des Aktionsplans zur Senkung der Baukosten sagte Bundesbauministerin Venera Hubertz, der Wohnungsmarkt biete langfristig gute Perspektiven für nachhaltige und rentable Investitionen.
„Das Bundesbauministerium greift mit dem Aktionsplan zentrale Forderungen der Immobilien- und Bauwirtschaft auf, etwa nach digitalen Genehmigungsprozessen, einfacheren Baustandards und einer schlankeren Förderkulisse. Bislang handelt es sich jedoch lediglich um einen Maßnahmenplan. Bundesbauministerin Verena Hubertz muss nun schleunigst einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The Grounds. „Positiv ist zudem das klare Bekenntnis, dass Politik und Wirtschaft beim Wohnungsbau an einem Strang ziehen müssen. Die Immobilien- und Bauwirtschaft ist bereit, ihren Beitrag zu leisten. Jetzt ist es an der Politik, die angekündigten Maßnahmen zügig umzusetzen.“