Immobiliennews

Wohnungsbestand in Deutschland wächst weiter – regionale Engpässe bleiben dennoch bestehen

Wohnungsbestand in Deutschland wächst weiter – regionale Engpässe bleiben dennoch bestehen

Der Wohnungsbestand in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren stärker gewachsen als die Bevölkerung. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, über die unter anderem das Handelsblatt, der Tagesspiegel sowie die Immobilien Zeitung in der vergangenen Woche berichtet haben. Trotz eines Zuwachses von rund 196.000 Wohnungen im Jahr 2025 und insgesamt 2,5 Millionen zusätzlichen Wohnungen seit 2015 bleibt die Lage auf den Wohnungsmärkten vieler Regionen angespannt. Die neuen Daten zeigen, dass ein wachsender Wohnungsbestand allein noch keine Entspannung auf den Wohnungsmärkten garantiert.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es zum Jahresende 2025 bundesweit rund 44,0 Millionen Wohnungen – ein Plus von 0,4 Prozent beziehungsweise 196.000 Einheiten gegenüber dem Vorjahr. Im Zehnjahresvergleich entspricht dies einem Anstieg von sechs Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung jedoch lediglich um 1,6 Prozent auf 83,5 Millionen Menschen. Rechnerisch sank damit die Zahl der Personen je Wohnung leicht von knapp 2,0 auf gut 1,9. Gleichzeitig nahm die gesamte Wohnfläche stärker zu als die Zahl der Wohnungen, sodass eine Durchschnittswohnung heute mit 94 Quadratmetern rund 2,4 Quadratmeter größer ist als noch 2015. Auch die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner stieg auf 49,5 Quadratmeter. (destatis)

Auf den ersten Blick könnten diese Zahlen den Eindruck vermitteln, dass der Wohnraumbedarf inzwischen weitgehend gedeckt sei. Das Statistische Bundesamt weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Daten keine Aussagen über die tatsächliche Nutzung oder Verteilung des Wohnraums zulassen. Insbesondere bleiben Wohnungsleerstände ebenso unberücksichtigt wie regionale Unterschiede zwischen Wachstums- und Schrumpfungsregionen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Berlin. Zwar ist der Wohnungsbestand auch in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, doch die hohe Zuwanderung, die steigende Zahl kleiner Haushalte und die seit Jahren unzureichende Neubautätigkeit sorgen weiterhin für einen erheblichen Nachfrageüberhang. Entsprechend bleibt der Wohnungsmarkt trotz zusätzlicher Wohnungen angespannt. Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen wirtschaftlich starken Ballungsräumen Deutschlands zu beobachten.

Hinzu kommt, dass sich auch die Zahl der privaten Haushalte in den vergangenen Jahren erhöht hat und die Nachfrage nach Wohnfläche pro Person kontinuierlich wächst. Kleinere Haushalte, eine alternde Bevölkerung und veränderte Lebensmodelle führen dazu, dass selbst bei einem steigenden Wohnungsbestand zusätzliche Wohnungen benötigt werden. Die langfristigen Trends verdeutlichen damit, dass die Nachfrage nach Wohnraum nicht allein von der Bevölkerungsentwicklung abhängt, sondern zunehmend auch von veränderten Wohn- und Lebensgewohnheiten.

Für die Immobilienwirtschaft unterstreichen die aktuellen Zahlen vor allem die Bedeutung langfristiger Investitionen in den Wohnungsbestand. Neben dem Neubau gewinnen auch die Modernisierung bestehender Gebäude und die Aktivierung bislang ungenutzter Flächenpotenziale weiter an Bedeutung. Gerade in den nachfragestarken Regionen werden zusätzliche Investitionen erforderlich bleiben, um das Wohnungsangebot nachhaltig auszuweiten und die Marktanspannung schrittweise zu verringern.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Deutschland beim Wohnungsbestand durchaus Fortschritte erzielt hat. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass die eigentlichen Herausforderungen weniger in der absoluten Zahl der Wohnungen als vielmehr in ihrer regionalen Verteilung und der anhaltend hohen Nachfrage in den Wachstumsregionen liegen. Um diese strukturellen Engpässe zu überwinden, braucht es weiterhin bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und einen spürbaren Abbau bürokratischer Hürden im Wohnungsbau“, sagt Jacopo Mingazzini, Vorstand von The Grounds.